Virtuell, aber ganz real

Virtuell, aber ganz real: Berufsschulen aus Lüdenscheid und Menden waren zu Besuch bei ANDRITZ Sundwig, einem Vorreiter für industrielle Anwendungen von VR/AR/MR (Virtual- / Augmented-/ Mixed Reality). Kann berufliche Bildung einen Beitrag zur Realisierung dieser innovativen Technologien leisten? 

Dank aktueller Entwicklung in Hard- und Software sowie der zunehmenden Vernetzung von Prozessen und Produkten in der “Industrie 4.0” gewinnt virtuelle Unterstützung immer mehr an Bedeutung. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs in Lüdenscheid erstellen im Unterricht mit Herrn Rietzscher bereits eigene 3D-Räume und implementieren erste einfache Interaktionen, die mit VR-Brillen erprobt werden können. Für eine auf diesen ersten Erfahrungen aufbauende Kooperation mit dem Hönne-Berufskolleg in Menden stellte sich die Frage, ob diese innovativen Technologien bereits reif für industrielle Anwendungen sind und ob es einen Mehrwert für die heimische Industrie gibt.
Diese Frage diskutierten bei einem Werksbesuch in Hemer  Lehrkräfte des Berufskollegs BKT Lüdenscheid, des Hönne-Berufskollegs, ein Vertreter von QUA-LiS NRW (Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule) und J. Brüggemann: Der Leiter für Forschung Entwicklung bei ANDRITZ Sundwig erklärte anschaulich den Stand der Technik, Potenziale und bereits umgesetzte Projekte, wie z.B. die Erstellung virtueller Trainings für Montageprozesse. Insbesondere der Vergleich von der den BKs schon bekannteren VR-Technologien zu der ganz neu bei ANDRITZ Sundwig zum Einsatz kommenden AR-/MR-Technologie. Das Übereinanderlegen von realer Welt mit virtuellen Inhalten aus dem CAD-System für industrielle Anwendungen interessierte die Besucher sehr. Eine Unterstützung während der realen Durchführung z.B. einer Montage lässt sich z.Zt. nur mit dieser AR-Technologie ermöglichen. Hier wird eine zusätzliche, künstliche erzeugte Schicht über die tatsächliche Welt gelegt. Durch künstliche Intelligenz bei der Erfassung von Raumstruktur und z.B. den Händen des Bedieners wird ein Bezug von virtueller zu realer Welt ermöglicht. Neue Geräte wie z.B. die Hololens 2-Brille können dabei ohne Kabel flexibel vor Ort bei den Anlagen eingesetzt werden.
Es wurden aber auch die aktuell noch bestehenden Grenzen und Herausforderungen für die industrielle Anwendung virtueller Technologien aufgezeigt. Nachträgliche Aufbereitung von 3D-Inhalten, die Vernetzung mit industrieller IT-Infrastruktur und die Verarbeitung der großen Datenmengen in Echtzeit sind kompliziert, teuer und stoßen an die Hardwaregrenzen. Darüber hinaus befinden sich Schulen durch die Beschaffungswege immer mit einer kleinen Verzögerung auf dem Weg hin zu neuen Technologien. Zusammen mit dem Leiter der Forschung und Entwicklung von ANDRITZ Sundwig wurde auch diskutiert, wie Berufsschulen einen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen leisten können. Von Schülerinnen und Schülern müssen digitale Schlüsselkompetenzen für die verschiedenen virtuellen Settings in der Industrie erlangt werden. Z.B. im Bereich der Medienkompetenz sollen Lernende eine kritische Urteilsfähigkeit erlangen und den Einfluss und Nutzen solcher Systeme bezogen auf Arbeitsplätze, Unternehmen, Region und die Gesellschaft sicher und umfassend beurteilen können. Selbständiger Umgang mit solchen Techniken verlangen ein spezielles Anwendungs-Know-How für die standardisierte Erstellung virtueller Inhalte für industrielle Anwendungen und die Gestaltung und Optimierung der Schnittstellen vernetzter Industriesysteme. Das grundlegende Verständnis über die Technologie bezüglich der Aktoren und Sensoren und der Arbeit mit integrierten Entwicklungsumgebungen sind notwendige Erweiterungen zu Grundkenntnissen der Informatik. Neben der Kooperation zum Thema VR-AR-MR der beiden Schulen starten dieses Schuljahr das BK Lüdenscheid und das Hönne Berufskolleg eine Zusatzqualifizierung, bei der Auszubildende zusätzlich zum regulären Unterricht Kompetenzen und Kenntnisse zu digitalen Fertigungsprozessen in „Industrie 4.0“ erlangen können. Techniker können evtl. auf eine Kooperation über Projektarbeiten bei der ANDRITZ Sundwig hoffen – der vielversprechende erste Austausch hat einen Grundstein für die zukünftige Zusammenarbeit gelegt.

 



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